Infiltrationswasser
Welche Folgen haben Bergbau und Kohleausstieg für die Natur im Rheinischen Revier?
Wasserwirtschaft im Naturpark
Nördlich und nordwestlich des Tagebaus Garzweiler erstreckt sich der Naturpark Schwalm-Nette. Diese Region wird im Monitoring zu den wasserwirtschaftlichen Auswirkungen des Bergbaus auch Nordraum genannt. Er zeichnet sich durch eine Vielzahl oberirdischer Fließgewässer und grundwasserabhängiger Feuchtgebiete aus. Diese sind von großem ökologischen Wert. Gleichzeitig wird dieses Gebiet intensiv wasserwirtschaftlich genutzt, mit zahlreichen Wasserwerken, die die
Trinkwasserver sorgung von Mönchengladbach und den westlich angrenzenden Kommunen bis zur niederländischen Grenze sicherstellen.
Probleme durch Grundwasserabsenkung
Die vom Tagebau Garzweiler ausgehenden Grundwasserabsenkungen breiten sich auch in dieser Region aus. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen würden die sinkenden Grundwasserstände
sowohl den Naturraum als auch die Wasserversorgung erheblich schädigen. Bereits Absenkungen von wenigen Dezimetern können in den Feuchtgebieten zu irreparablen Schäden führen. Denn wenn der humose Boden belüftet wird, führt beispielsweise die Sauerstoffzufuhr zur Zersetzung der
pflanzlichen Bestandteile. Dadurch entstehen Torfsackungen und Stelzwurzeln bei Gehölzen, die damit wiederum an Stabilität verlieren.
Infiltrationsmaßnahmen sichern Trinkwasser und Ökosysteme
Um bergbaubedingte Absenkungen des Grundwasserspiegels zu kompensieren, wird seit Jahrzehnten das im Tagebau abgepumpte Sümpfungswasser genutzt. Das Wasser wird zunächst aufbereitet, dann über ein mehr als 150 Kilometer langes Rohrleitungsnetz in den Nordraum geleitet und dort über mehrere Hundert sogenannte Sickerschlitze infi ltriert. Diese bis zu 40 Meter langen und bis zu acht Meter tiefen Gräben sind mit Kies gefüllt und reichen bis in die Grundwasser leiter. So können große Mengen Wasser infiltriert werden. Dieses Wasser stützt nicht nur die Grundwasserstände und schützt damit die grundwasserabhängigen Feuchtgebiete, sondern sichert auch den Betrieb der Wasserwerke.
Die Infi ltrationsmaßnahmen finden nicht direkt in den Feuchtgebieten statt, sondern in mehreren Hundert Metern Entfernung, damit die natürlichen Schwankungen der Grundwasserstände über das Jahr erhalten bleiben.
90 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr
Über einen einzigen Sickerschlitz kann jährlich so viel Wasser infiltriert werden, wie 20.000 Menschen an Trinkwasser im Jahr benötigen. Insgesamt werden pro Jahr etwa 90 Millionen Kubikmeter Wasser für ökologische Zwecke und zur Sicherung der Wasserversorgung versickert oder in Gewässer eingeleitet – mehr als die Wassermenge, die in einer Millionenstadt wie Köln jährlich an Trinkwasser benötigt wird.
Neben der Stützung der Grundwasserstände hat das Infi ltrationswasser einen weiteren positiven Effekt: Es ist nitratfrei und trägt dazu bei, die in diesem Raum hohen Nitratkonzentrationen im
Grundwasser zu verdünnen, die durch intensive landwirtschaftliche Nutzung verursacht werden.
Diese Maßnahmen kommen nicht nur den Gewässern und Feuchtgebieten zugute, sondern auch zwölf Wasserwerken und sechs Lebensmittelbetrieben, die durch diese Infiltration im Nordraum von einem ausreichendes Wasserdargebot profitieren.