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Renaturierung

Wie werden sich die Gewässer nach dem Bergbauende entwickeln?

stilisierte Headergrafik zum Thema Renaturierung
Wassertropfen zum Thema Renaturierung

Naturnahe Entwicklung

Der Ausstieg aus der Braunkohle bietet unseren Gewässern die Möglichkeit, sich wieder naturnah zu entwickeln. Wie genau sie sich verändern werden, hängt wesentlich davon ab, wie massiv sie zuvor vom Bergbau beeinfl usst wurden. Manche Gewässer sind dem Bergbau ganz oder teilweise zum Opfer gefallen oder wurden verlegt. Andere führen heute unnatürlich viel Wasser, weil sie große Mengen sogenanntes „Sümpfungswasser“ aus den Tagebauen oder Kühlwasser aus Kraftwerken aufnehmen.

 Beispiele:

  • Die Erft wurde zwischen Bergheim und der Mündung in den Rhein bei Neuss stark ausgebaut, um das Sümpfungswasser aus dem Tagebau Hambach ableiten zu können.
  • Der Gillbach nimmt Kühlwasser vom Kraftwerk Niederaußem auf.
  • Die Niers hingegen hat durch den Tagebau Garzweiler ihr Quellgebiet verloren.

Viele Gewässer haben mit der Absenkung des Grundwasserstandes in den Tagebauen ihren Kontakt zum Grundwasser verloren – und damit ihren Basiszustrom. Diese Gewässer werden heute durch den Bergbautreibenden über ein Leitungssystem aus den Tagebauen künstlich mit Wasser versorgt.

Welche Maßnahmen sind geplant?

Mit dem Ende des Tagebaus werden auch die Sümpfungswassermengen zurückgehen. Dieses Wasser war bisher entscheidend, um die Wasserstände in den vom Bergbau beeinfl ussten Flüssen stabil zu halten. Der Bergbautreibende bleibt aber weiterhin in der Pflicht, die Gewässer zu stützen – solange die Absenkung des Grundwassers durch den Tagebau die Gewässer noch beeinflusst. Das wird noch einige Jahrzehnte so bleiben.

Die Erft ab Bergheim zum Beispiel wird etwa zwei Drittel ihres heutigen Abflusses bei mittleren  Verhältnissen verlieren, wenn das Sümpfungswasser aus dem Tagebau Hambach wegfällt. Da ihr
Flussbett extra für diese Wassermengen verbreitert wurde, ist es nach dem Tagebauende zu groß. Die Erft soll deshalb auf rund 40 Kilometern zwischen Bergheim und Neuss renaturiert und  wieder an ihren natürlichen mittleren Abfluss angepasst werden. Ein Hochwasser muss natürlich auch weiterhin abgeführt werden können.

Da die Erft darüber hinaus erst in einigen Jahrzehnten wieder einen natürlichen Zustrom aus dem Grundwasser haben wird, muss sie zunächst noch weiterhin künstlich mit Wasser versorgt werden.

Die neue Quelle der Niers soll künftig der aus dem Tagebau entstehenden Garzweiler-See sein.

Erftumbau bei Gymnich
Erftumbau bei Gymnich

Was bedeutet „Erftumbau 2030“?

Der geplante Umbau der Erft zwischen Bergheim und Neuss ist eine einmalige Chance für die Region. Auf 40 Kilometern entsteht so die Möglichkeit, eine naturnahe und erlebbare Flusslandschaft zu gestalten.

Doch der politische Beschluss, bis 2030 aus der Braunkohle auszusteigen, bedeutet weniger Zeit für die Umsetzung. Statt wie ursprünglich geplant, das Projekt bis 2045 abzuschließen, bleibt der Region nur noch wenig Zeit, diesen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel zu leisten.

In jeder Hinsicht ist die Umgestaltung der Erft bis 2030 ein einzigartiges Projekt für die Region.

Renaturierung schafft Startbedingung

Bei der Renaturierung geht es nicht darum, ein neues Gewässer zu bauen – sondern darum, gute Startbedingungen für eine natürliche Entwicklung zu schaffen.

Ein Fluss lebt von seiner Dynamik. Die Kraft des Wassers selbst gestaltet ständig neue Lebensräume – und schafft damit ideale Bedingungen für die große Artenvielfalt im und am Wasser. Früher wurden viele Gewässer begradigt und befestigt. Ihre natürliche Entwicklung wurde verhindert. Jetzt geht es darum, sie wieder „freizulassen“ – und ihnen Raum zurückzugeben, dort wo es möglich ist.

Davon profitieren nicht nur Tiere und Pfl anzen – sondern die Menschen im Rheinischen Revier: Denn dieser Raum kann auch Hochwasser aufnehmen und so zur Sicherheit beitragen.

Ein natürlicher Fluss und seine Aue bieten Tieren und Pflanzen unterschiedlichste Bedingungen – vorausgesetzt, wir geben dem Gewässer Raum und Zeit, sich zu entwickeln. Intakte Gewässer
sind aber nicht nur ökologisch wertvoll. Sie sind auch beliebte Orte für die Erholung.

Der Strukturwandel bietet die Chance, die Region nachhaltig zu gestalten – auch mithilfe der Gewässer. Diese erzählen ihre eigene Geschichte des Bergbaus und machen ihn erlebbar.

Gleichzeitig sind sie Teil der „grün-blauen Infrastruktur“ und helfen dabei, uns besser an den Klimawandel anzupassen. Auen und Flüsse sind natürliche Verbindungen zwischen weiteren Lebensräumen– ein wertvoller Beitrag zum Biotopverbund.

Kurz gesagt: Unsere Flüsse machen die Region lebenswerter – für Mensch und Natur.