Fehlende Wassermenge nach Bergbauende
Die Wasserversorgung und der Erhalt der Feuchtgebiete in der Region nördlich des Tagebaus Garzweiler (der sogenannte Nordraum) hängen aktuell stark von den sogenannten Infiltrationsmaßnahmen ab. Diese kompensieren seit vielen Jahrzehnten die Auswirkungen der Sümpfung zur Trockenhaltung der Tagebaue. Dabei wird das abgepumpte Grundwasser aufbereitet, in den Nordraum geleitet und dort großräumig versickert (siehe Infoflyer zum Schutz des Naturraums durch Infiltrationsmaßnahmen).
Doch mit dem voraussichtlichen Bergbauende im Jahr 2030 wird nicht mehr genug Sümpfungswasser vorhanden sein, um diese Aufgabe zu erfüllen. Die Maßnahmen werden nach dem Bergbauende fortgesetzt, um die Böschungen oberhalb der sich füllenden Seen stabil zu halten, aber die Wassermenge wird stark verringert werden.
Rheinwasser für die Zukunft
Um den Wasserbedarf für die Infiltrationsmaßnahmen auch in Zukunft zu decken und gleichzeitig Wasser für die Füllung der Bergbaufolgeseen bereitzustellen, sollen jährlich etwa 340 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Rhein entnommen werden – je nach Rheinwasserstand. Bei hohem Wasserstand können bis zu 18 Kubikmeter pro Sekunde entnommen werden, bei Niedrigwasser deutlich weniger, maximal 1,8 Kubikmeter pro Sekunde. Der Anteil des entnommenen Wassers ist so gering, dass er weder die Ökologie des Rheins noch die Schifffahrt beeinträchtigt.
Etwa 10 Prozent dieses Wassers – das sogenannte Ökowasser – wird nach dem Ende des Tagebaus nördlich des Tagebaus Garzweiler geleitet, um gemeinsam mit dem verbleibenden Sümpfungswasser die Grundwasserstände zu stabilisieren und die grundwasserabhängigen Feuchtgebiete zu schützen.
Das genügt zugleich, um die Wasserversorgung zu sichern.
Rheinwasser – Sauber, aber noch nicht rein genug
Zwar ist das Rheinwasser heute deutlich sauberer als noch vor ein paar Jahrzehnten, doch es enthält immer noch Spurenstoffe aus verschiedenen Quellen. Dazu gehören Rückstände von Medikamenten, Pflanzenschutzmitteln, Süßstoffen oder Röntgenkontrastmitteln. Diese gelangen trotz Abwasserreinigung in begrenzten Konzentrationen über Kläranlagen in den Fluss. Die Wasserqualität wird streng überwacht.
Um den Wasserwerken eine ausreichende Förderung zu ermöglichen, wird ein Teil des Rheinwassers direkt in den Einzugsgebieten infiltriert – genau wie bisher das Sümpfungswasser – und erreicht bereits nach einigen Monaten die Förderbrunnen. Die Filterung in den Grundwasserleitern würde nicht ausreichen, um die mit dem Rheinwasser eingetragenen Spurenstoffe vollständig zu entfernen. Zum Schutz der Wasserwerke muss das Rheinwasser daher vorher gereinigt werden. Hier besteht aus Sicht des Erftverbandes eine Vorsorgepflicht, um ein Risiko für die Trinkwasserversorgung auszuschließen.
Im Hessischen Ried wird seit Jahrzehnten eine ähnliche Vorgehensweise praktiziert. Dort wird Rheinwasser entnommen, von Spurenstoffen gereinigt und anschließend ins Grundwasser infiltriert. Auf diese Weise wird die Wasserversorgung der Metropole Frankfurt am Main gesichert und gleichzeitig die grundwasserabhängigen Feuchtgebiete im Hessischen Ried vor Absenkungen geschützt. Diese bewährte Methode kann als Beispiel für die Lösung im Rheinischen Revier dienen, so dass das Rheinwasser sicher und sauber in unsere Wasserversorgung integriert werden kann – und so unseren Wasserbedarf in Zukunft sichert.
