Die Erft bewegt in vielerlei Hinsicht.
Zunächst einmal ist die Erft selber in Bewegung, sie fließt, hat Strömung und Kehrwasser. Auf ihrem gut 100 Kilometer langen Weg nimmt sie zahlreiche Nebenflüsse auf, bevor sie ihrerseits in den Rhein mündet. Sie bewegt dabei große Mengen Wasser. Die Erft bewegt aber auch uns Menschen, sie berührt, verbindet und motiviert. Sie prägt seit Jahrhunderten unsere Region, und sie ist Teil unserer Identität. Die Erft hat zudem eine bewegte Geschichte. Im Laufe der Jahrhunderte hatte sie viele Namen. Auch ihr Verlauf war nicht immer gleich.
Wir bewegen uns.
In jüngerer Zeit wurde die Erft stark durch den Braunkohlenbergbau beeinflusst. Sie wurde vielerorts verlegt, begradigt und ausgebaut, damit sie die großen Mengen Sümpfungswasser aus den Tagebauten aufnehmen und abführen kann. In den Hochzeiten der Kohleförderung führte die untere Erft zeitweise mehr als 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunde (m³/s). Aktuell sind es noch 6 bis 7 m³/s. Zukünftig wird ein Mittelwasserabfluss von 2,5m³/s angenommen. Mit Blick auf das Ende des Kohleabbaus stehen wir vor der Herausforderung, die Erft auf einer Länge von rund 40 Kilometern umzubauen.
Damit die Erft in Bewegung bleibt.
Wir haben mit Menschen aus der Region darüber gesprochen, was sie mit der Erft verbindet und was sie ihr wünschen in Zeiten des Strukturwandels im Rheinischen Revier. Dabei herausgekommen ist ein facettenreiches Bild mit Stimmen aus Politik und Gesellschaft, Beruf und Freizeit. Was bei allen Befragten deutlich wird, ist der Wunsch, dass wir den Wandel aktiv gestalten.
KLAUS KRÜTZEN
Bürgermeister von Grevenbroich
MARKUS VOLMER
Betriebsleiter beim Erftverband
WOLFGANG KAISER
CDU-Fraktionsvorsitzender im Gevenbroicher Stadtrat
Ich bin sehr nostalgisch, wenn ich an Orte in Grevenbroich denke. Aber wenn ich mich nur auf Nostalgie verlasse, dann kann ich keine Stadt entwickeln.
Wir haben jetzt die Chance, dass wir die Erft wieder zurückbauen zu einem naturnahen, natürlichen Gewässer.
Die Erft wird sich verändern. Die Frage ist: Gestalten wir diese Veränderung mit oder lassen wir diese Chance für Grevenbroich ungenutzt?
STEPHAN PESCH
Journalist und Autor für Radio und Fernsehen
IRIS MOLL
Anwohnerin der Erft
MATTHIAS BÖRGER
Abteilungsleiter Wasserwirtschaft beim NRW-Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr
Mein Wunsch ist der, verändert die Erft, ja, verändert sie so, dass sie noch funktioniert. Dafür muss man den Menschen, die den Fluss umbauen, die Zeit geben, das alles zu regeln.
Ich wünsche mir, dass der Strukturwandel im Rheinischen Revier eine Beteiligungsstruktur in der Gesellschaft befördert.
Mein Wunsch für die Zukunft ist, dass wir hier eine attraktive, lebenswerte Region schaffen mit vielen Arbeitsplätzen und einem hohen Natur- und Erholungswert, eine Region, um die uns andere beneiden werden.
DANIELA BERGER
Diplom-Biologin beim Erftverband
KATJA BAUMANN
Pädagogische Mitarbeiterin im Naturparkzentrum Gymnicher Mühle
THOMAS MUCHOW
Geschäftsführer der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft
Wir müssen aufpassen, dass der Kohleausstieg keine Grundwasserabsenkungen bis in die Feuchtgebiete bringt. Sonst kommt es zu Torfsackungen und Freisetzung von CO2.
Mein Wunsch ist, dass die Menschen hier in der Region erkennen, wie schön die Natur vor ihrer Haustür ist und dass sie durch die Veränderungen noch schöner wird.
Es ist wichig, die Potenziale für Tourismus, Naherholung und Siedlungsentwicklung zu zu nutzen. Aber bitte mit Augenmaß. Denn wir wollen ja auch Natur und Kulturlandschaft bewahren.
Hà-Ngân Nguyễn
Ingenieurin für Umwelttechnik, Master-Absolventin der TH Köln
PETER MEIER
Kanufahrer, 1955 Mitgründer des Kanuclub Bergheim/Erft e.V.
Die Erft-Region wurde über Jahrzehnte hinweg auf den Kohlebergbau ausgerichtet. Jetzt, mitten im Strukturwandel, geben wir dem Wasser die Chance, sich zu regenerieren, und der Natur, sich zu renaturieren.
Die Erft ist sehr schön zu paddeln, gar keine Frage, besonders die umgebauten Strecken.











